Clemence Alex

Was die Untertanen in Londoner Pubs so über ihre Monarchin denken.

Text: Tessa Szyszkowitz, Fotos: Alex Schlacher

In der Speisekammer der Königin stehen drei Herren und gönnen sich erst mal einen Schluck Bier. Dann wenden sie sich ernsten Angelegenheiten zu: dem 90. Geburtstag von Königin Elizabeth II. “Sie hat einen fabelhaften Job gemacht!”, meint Nick Startup so stolz als hätte er etwas dazu beigetragen. Der 71jährige Stuart Martin kann dem nur zustimmen: “Vor allem, wenn man bedenkt, dass alle 12 Premierminister, die sie in ihrer Regentschaft beraten hat, Nichtsnutze waren.”

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak über das Verhältnis ihrer Regierung zum Humor, die Geburtsfehler des Flüchtlingsabkommens und die Verantwortung europäischer Populisten für die Situation in der Türkei.

So leise, höflich und bedacht Elif Shafak auch spricht, so laut und deutlich wird jedes ihrer Worte dennoch in der Öffentlichkeit wahrgenommen: Viele von den 14 Büchern der 44jährigen türkischen Intellektuellen sind zu Bestsellern geworden und wurden in mehrere Sprachen übersetzt (zuletzt “Der Architekt des Sultans”, Verlag Kein&Aber). Auch in den sozialen Netzwerken wird ihrer Stimme Gewicht beigemessen: Auf Twitter hat sie etwa 1,7 Millionen Follower. Shafak lebt in Istanbul und London, wo sie profil in einem Kaffeehaus im Stadtteil Maryleone zum Gespräch traf.

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Im Juni stimmen die Briten über einen möglichen Austritt aus der EU ab. Wer sind die Menschen, die Europa unbedingt den Rücken kehren wollen?

“Wir sind mit ihnen, aber wir sind nicht wie sie.” Der Ausspruch stammt vom legendären britischen Premierminister Winston Churchill, der 1953 im Unterhaus erläuterte, er sei durchaus für das Projekt der europäischen Einigung. Bloß eben mit dem eingangs zitierten Vorbehalt.
Seit dem Beitritt 1973 bestanden die Briten auf einer Extrarolle. Sie stimmten für den Gemeinsamen Markt, bestanden aber auf ein Opt-Out für den Euro, für Schengen und für die politische Union. Briten will das Pfund, seine Grenzen und die Souveränität des nationalen Parlaments behalten. Diese britische Sonderstellung in der EU war bisher akzeptierter Status quo. Doch jetzt ist etwas ins Rutschen gekommen.

http://www.cicero.de/berliner-republik/boris-johnsons-verrat-david-cameron-blonde-bombe/60533

Einst waren sie gemeinsame Studienfreunde, seit vergangenen Sonntag sind sie erbitterte Gegner. Da hatte sich der Londoner Bürgermeister Boris Johnson für einen Brexit ausgesprochen und war damit seinem Parteichef David Cameron in den Rücken gefallen. Beim Referendum am 23. Juni wird auch entschieden, ob Johnson neuer Premierminister wird.

„Steck dein Hemd in die Hose, Boris!“ rief ein Hinterbänkler, noch bevor Boris Johnson seine Stimme erhoben hatte. Im House of Commons ging es am Montagnachmittag bei der EU-Debatte über den in Brüssel erzielten Reformkompromiss hoch her. Der britische Premierminister David Cameron mühte sich redlich, den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Auffällig dabei war, dass die meisten Kritiker seines nunmehr pro-europäischen Kurses in den eigenen Bänken saßen. Am prominentesten unter ihnen: der tollpatschige Volkstribun Boris Johnson. „Wie genau bekommen wir unsere Souveränität zurück?“, fragte der Londoner Bürgermeister seinen Regierungschef scheinheilig. „Wir bekommen die Macht über unsere Sozialleistungen zurück“, rief dieser. Da schüttelte der 51-jährige EU-Skeptiker süffisant lächelnd den hellblonden Wuschelkopf.

http://www.cicero.de/weltbuehne/camerons-eu-reformplaene-ideen-die-ankommen/60512

David Cameron wirbt aus rein nationalistischen Gründen für ein Reformpaket in Brüssel. Doch nicht alle seine Vorschläge sind sinnlos, finden erstaunlich viele seiner Kollegen in der EU.

„Das Risiko ist real, dass die EU auseinanderbricht“, warnte EU-Ratspräsident Donald Tusk die 28 Staatschefs noch knapp vor dem Brüsseler Gipfel am 18. Februar mit ungewöhnlich alarmierenden Worten. Die Europäer täten besser daran „den anderen zuzuhören als nur sich selbst“. Tusk kämpft ganz eindeutig gegen einen „Brexit“ und für einen „Bre-Main“, einen Verbleib der Briten in der EU.

Kalandia Checkpoint, Westbank 

Die Palästinenser haben eine neue Strategie gegen Israel entwickelt: Eine Boykottbewegung wie einst gegen Südafrikas Apartheid-Regime.


Zivilgesellschaft versus Rechtsregierung: Harter Kampf

Zivilgesellschaft versus Rechtsregierung: Harter Kampf

In Israel ist ein geistiger Bürgerkrieg ausgebrochen. Auf der einen Seite: Die rechte Regierung, die mit autoritären Maßnahmen liebäugelt. Auf der anderen: All jene, die um den demokratischen Charakter des Judenstaates fürchten.

Als Gott sah, was die Menschen im Gelobten Land vorhatten, schickte er einen Schneesturm, um ihre Pläne zu durchkreuzen. Der Himmel über Jerusalem barst und verwandelte die Stadt in einen unwirtlichen Ort, und das Ansinnen der Menschen war wenigstens vorübergehend vereitelt. Oder war es doch bloß eine Laune der Natur? Tatsache ist jedenfalls, dass just an dem Tag, als das israelische Parlament ein höchst umstrittenes Gesetz in erster Lesung behandeln sollte, ein heftiges Winterwetter dafür sorgte, dass mehrere Abgeordnete die Knesset verließen, um beim Aufkommen des Sturms Zuhause zu sein.

Angela Merkel wirkte bei der Syria-Geberkonferenz in London wie befreit. Von der internationalen Gemeinschaft wird die deutsche Kanzlerin für ihren vielseitigen Einsatz geschätzt.

Merkel

für Cicero online

Im August tötete die Regierung Camerons erstmals per Drohnenangriff einen britischen IS-Kämpfer in Syrien: Reyaad Khan in Cardiff. Ein Besuch in seiner alten Heimat.

Cardiff interview

Fotos: Alex Schlacher

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