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erschienen Oktober 2019

Brexit. Farce und Tragödie

Die Inselmentalität der Engländer sei eine Torheit, wofür von Zeit zu Zeit ein hoher Preis bezahlt werden müsse, stellte George Orwell einst fest. Im Falle des Brexit wird Europa diesen Preis mittragen müssen.

Der Brexit stellt einen Versuch dar, eine Insellage in einer globalisierten Welt wiederherzustellen, einen Anspruch, sich die Globalisierung selektiv anzueignen. Ist die Verblüffung angesichts dieses risikoreichen Unterfangens der fehlenden Vertrautheit mit britischen Besonderheiten geschuldet, oder ist der britische Sonderweg Ausdruck weltweit anzutreffender Tendenzen? Die Beiträge des Bandes beleuchten Strukturmerkmale und -folgen des Brexit vor dem Hintergrund des globalen Aufstiegs von Nationalismus, Populismus und Souveränismus. Sie analysieren, was er über politische Eliten, wachsende Ungleichheiten, die Kluft zwischen Stadt und Land sowie die Natur aktueller politischer Polarisierung aussagt, und erörtern die Folgen dieser Entwicklung für die Zukunft Europas.

In ihrem Beitrag “Brexicuted. Über die möglichen explosiven Langzeiteffekte des englsichen nationalismus” untersucht Szyszkowitz eine der Triebkräfte hinter dem Brextremismus: das Erstarken des englsichen Nationalismus, dessen charakterliche Besonderheiten sie analysiert. 


Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), Ivan Vejvoda
Misha Glenny, Mary Kaldor, Pankaj Mishra, Fintan O'Toole, Tessa Szyszkowitz, Gáspár Miklós Tamás, Timothy Snyder, Kalypso Nicolaidis, Timothy Garton Ash

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erschienen Jänner 2019

Do they mean us?

With seismic changes in the UK’s political life and its relationships with the EU and the rest of the world, John Mair and Neil Fowler have commissioned and edited this collection of essays which reveal how some of the world’s most influential journalists view the referendum, the negotiations and the future for the UK. Fascinating, insightful and challenging this book gives whole new perspectives on what is one of the most important political decisions of the past forty years – and the next forty years.

In her chapter The flipside of Brextremism: Tessa Szyszkowitz writes why she believes that journalists should get politically active sometimes. Here she explains why and what it meant for her to co-found #hugabrit.

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Tessa Szyszkowitz

ECHTE ENGLÄNDER. Britannien und der Brexit

Großbritannien muss sich nach dem Austritt aus der EU neu erfinden. Wird aus New Britannia einfach nur Little England oder ein Empire 2.0? Birgt der Brexit Chancen?

Nach dem Austritt aus der Europäischen Union wird Großbritannien sich neu positionieren müssen. Das Land könnte auf England (plus Wales) schrumpfen, sollten Schotten und Nordiren lieber in der EU bleiben wollen. Großbritannien wird sich auf der geistigen Landkarte des 21. Jahrhunderts neu verorten müssen. England muss sich intellektuell den Fragen stellen, die dieses Jahrhundert dem einstigen Imperium aufgibt. Die Globalisierung kann als Chance verstanden werden und die koloniale Vergangenheit als Gegenstand dringend nötiger Aufarbeitung. Britannien könnte aber auch als wirtschaftliche Großmacht und politische Mittelmacht in der Vergangenheit verharren und von einem Empire 2.0 bloß träumen. Damit würde es die Chancen versäumen, die dieser kathartische Moment bringen kann.

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Tessa Szyszkowitz | erschienen September 2011

Der Friedenskämpfer: Arafats geheimer Gesandter Issam Sartawi 

Issam Sartawi war einer der ersten PLO-Politiker, der in den siebziger Jahren zu einer friedlichen Lösung zwischen Israelis und Palästinensern aufrief. Jassir Arafat schickte Sartawi 1976 nach Paris, um die PLO salonfähig zu machen. Der charismatische Herzchirurg traf sich heimlich mit israelischen Friedensaktivisten, nach kurzer Zeit ging er in den Staatskanzleien Europas ein und aus. Sein Weg führte Sartawi oft nach Wien, denn der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky wurde sein engster Partner im Kampf um Frieden in Nahost.Vor dem Hintergrund des Deutschen Herbstes, des Friedensvertrags zwischen Ägypten und Israel, der Islamischen Revolution im Iran und des Libanonkriegs eilte Sartawi von 1976 bis 1983 als Botschafter der palästinensischen Moderaten quer durch die Welt: "Wir müssen jetzt verhandeln. Wenn wir warten, dann wird es überall Siedlungen geben!", rief er bei einer Sitzung des palästinensischen Nationalrats in Algier, knapp vor seinem Tod.1983 wurde Issam Sartawi von einem palästinensischen Terroristen erschossen. Er war seiner Zeit voraus. Knapp dreißig Jahre später ist der Friede immer noch nicht in Reichweite. Die Palästinenser sind in militante und moderate Gruppen gespalten. Im Westjordanland leben bereits 500.000 israelische Siedler. Sartawi ist tot, doch sein Ruf nach einer friedlichen Lösung des Konflikts ist so aktuell wie nie zuvor.

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Tessa Szyszkowitz | erschienen August 2010

Die neuen Russen

Die »ersten« Russen, die nach dem Ende des Sowjetkommunismus in den Westen kamen, erwarben sich schnell einen schlechten Ruf. Die wüste Melange aus postsowjetischem Geruch und schlechtem neokapitalistischen Geschmack ließ das alte Europa erschaudern. Doch jetzt übernimmt eine neue Generation von jungen Russen die Initiative. Die »Nowije Russkije« 2010 haben keine oder kaum mehr sowjetische Luft geschnuppert. Die dröge Ideologie der Jugendorganisation Komsomolz blieb ihnen erspart. Die Angst der frühen und die Trägheit der späten Sowjetjahre ist ihnen fremd. Die 20- bis 35-jährigen Russen sind unter Boris Jelzin und Wladimir Putin aufgewachsen. Bei allen Problemen des gegenwärtigen Russland haben diese »neuen Russen« mehr innere Freiheit und äußere Stabilität erlebt als ihre Altvorderen.
Trotz oder wegen Putins antidemokratischem Kurs entfalten die »neuen Russen« 2010 überall ihre innovative Kraft: im Theater wie in Banken, in Moskau oder in Sibirien. Sie nützen klassische russische Tugenden – strikte Disziplin, hohen Anspruch an kulturelle Erziehung, große Sensibilität gegenüber den Tiefen der Seele – und kombinieren sie mit der Forderung nach individueller Freiheit und Wohlstand. Russland 2010 ist anders.

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Tessa Szyszkowitz | erschienen November 2007

Trauma und Terror: Zum palästinensischen und tschetschenischen Nationalismus 

Im Februar 1944 deportierte Josef Stalin die Tschetschenen nach Kasachstan, Kirgisien und Sibirien. Dreizehn Jahre blieben sie im erzwungenen Exil. Nach Stalins Tod erkämpften die Tschetschenen ihre Rückkehr, in den Dörfern aber lebten längst andere. Bis zum Ende der Sowjetunion – mit Ausnahme einer kurzen Periode unter Nikita Chruschtschow – blieben sie ein „unzuverlässiges Volk“, über dessen Schicksal nichts publiziert werden durfte.

Auch die Palästinenser erlebten in den Vierzigerjahren ein kollektives Trauma, das bis heute nicht anerkannt ist. In der „Nakbah“ („Katastrophe“) verloren 750.000 palästinensische Araber 1948 bei Errichtung Israels ihre Heimat. Die Hälfte des palästinensischen Volkes lebte fortan als Flüchtlinge in den umliegenden arabischen Staaten. Heute hat sich zwar international das Bewusstsein durchgesetzt, dass der Nahostkonflikt mit einem unabhängigen Staat der Palästinenser in den von Israel 19567 besetzten Gebieten zu lösen wäre, bisher aber sind alle Friedensinitiativen fruchtlos geblieben.

Die Analyse historischer Fakten in Kombination mit den Erkenntnissen der Psychiatrie hinsichtlich der Behandlung von kollektiven Traumata kann helfen, eine politische Lösung im Nahen Osten und im Kaukasus zu finden.

Bleib auf dem Laufenden!

© 2018 Tessa Szyszkowitz