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Starke Zeugen

@ Reinhard Werner

Ari Rath verändert anläßlich des Burschenschafterballs sein Schußwort in “Den letzten Zeugen” im Burgtheater.

Er ist und bleibt der rasende Reporter. Der 89jährige Ari Rath - einst legendärer Chefredakteur der "Jerusalem Post" - hat schon während der Aufführung "Der letzten Zeugen" im Burgtheater auf einem Zettel herumgekritzelt. Für sein Schlusswort tritt er dann nach vorne ins Rampenlicht und sagt:

"Freitag Abend haben wieder  rechtsradikale Burschenschaftler unter der Schirmherrschaft von Herrn Strache, geschützt von 2.000 Polizisten aus allen Bundesländern, den sogenannten Akademikerball in der Hofburg gefeiert. Sie wollen nicht aus der bösen Geschichte dieses Landes lernen. Die Giftschlange des Rassismus, des Fremdenhasses und Rechts-Nationalismus hebt wieder ihren drohenden Kopf. Ihr seid schon das siebente Mal hier mit uns, den letzten Zeugen, doch die Gefahr draussen ist noch lange nicht gebannt."

Das Publikum ist ganz seiner Meinung. Der Applaus für die sechs Frauen und Männer, die sich beim Anschluß 1938 plötzlich, wie Ari Rath später in der Diskussion mit Peter Huemer sagt, "vom Menschen zum Untermenschen" degradiert sahen, ist lang anhaltend. Die Erinnerungen der sieben Zeugen Rudolf Gelbard, Vilma Neuwirth, Lucia Heilmann, Marko Feingold, Ari Rath und Suzanne-Lucienne Rabinovici wurden vom Schriftsteller Doron Rabinovici und Burgtheaterdirektor Mathias Hartmann auf die Bühne gehoben. Für die siebente Zeugin Ceija Stoika, die während der Vorbereitung verstorben ist, steht ein leerer Stuhl auf der Bühne. Den dramatischen Höhepunkt bildet die ungeheuer beklemmende Erzählung von Schoschanna Rabinovici, deren Mutter sie im Rucksack durch die Selektion geschmuggelt hat. Sohn Rabinovici und Hausherr Hartmann sind freudig überrascht, dass aus den ursprünglich geplanten fünf  Aufführungen bereits sieben vor vollem Haus stattgefunden haben. Weitere Vorstellungen sind im Frühling auf den Spielplan gesetzt worden.

So stehen sich 75 Jahre nach dem Anschluß im Winter 2014 die würdige Ehrung der letzten Zeugen im Burgtheater und der unwürdige Ball der Burschenschafter in der Hofburg gegenüber. Keines dieser urösterreichischen Lager wird so schnell aussterben, das ist klar. Ins Burgtheater strömen viele junge Leute. Bei der Debatte im Pausenfoyer fragt eine Studentin, die auf der Psychiatrie arbeitet, wie "man nach solchen Erlebnissen wieder ins normale Leben zurückkehren kann" und Vilma Neuwirth sagt: "Ich hab sieben Jahre Zeit gehabt, mir vorzustellen, was ich mach, wenn ich das überlebe. Und das tue ich seitdem."

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Die-letzten-Zeugen.at.php

http://derstandard.at/1381368778290/Doron-Rabinovici-Alle-Wunden-heilen-sicher-nicht

http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-552-05585-8 

 

 

 

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© 2018 Tessa Szyszkowitz