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Tolles Zeug

Britanniens Außenminister Boris Johnson plappert sich um Kopf und Kragen – oder nach Downing Street 10.

Selbst wenn Alexander Borisde Pfeffel Johnson sich am Riemen reißt, rutschen ihm Frechheiten heraus: „Wir wollen ein globales Britannien sein“, schmetterte der britische Außenminister in seiner offiziellen Rede zum Parteitag der Konservativen in Manchester vergangene Woche staatstragend in den Saal.

Dann grinste er und fügte genüsslich hinzu: „Klingt doch ganz anders als: ,Globales Alaska‘.“ Sein Charme, sein Humor und seine Bildung sind das Kapital von Johnson. Seine Unzuverlässigkeit, Selbstverliebtheit und Abgehobenheit hingegen könnten ihn zu Fall bringen.
Um Premierminister zu werden, hat sich der Blondschopf einem harten Brexit verschrieben, denn das moderate Zentrum besetzen andere. In Zeitungsartikeln und Interviews treibt er seither die hölzerne und unbeholfene Regierungschefin Theresa May unbarmherzig vor sich her. Auch wenn der ehemalige Bürgermeister von London versucht, sich zu benehmen, springt er mit beiden Beinen von einem Fettnapf zum anderen. Gerade wieder hat sich der 53-jährige Pointenprinz bei einer Veranstaltung in Manchester dazu hinreißen lassen, in der libyschen Stadt Sirte das nächste Dubai zu sehen: „Weiße Strände, schönes Meer. Sie müssen nur die Leichen wegräumen.“ Der ehemalige Journalist ist in der eigenen Partei inzwischen derart umstritten, dass Premierministerin May bereits von etwa der Hälfte ihrer Minister bekniet wurde, den Hofnarren und Störenfried endlich als Außenminister zu feuern. Besucher beschreiben Gespräche mit ihm als „schrecklich und schräg“. Johnson ist für einen Chefdiplomaten zu undiplomatisch, an Details und Inhalten kaum interessiert. Für den Brexit ist er wiederum nicht zuständig, der wird von anderen verhandelt. Selbst bei Staatsbesuchen fern der Heimat zittern die britischen Diplomaten vor dem nächsten Fauxpas. In Myanmar konnte der Eton- und Oxford-Absolvent nur mit Mühe davon abgehalten werden, vor versammelten Honoratioren ein Gedicht von Rudyard Kipling zu zitieren, in dem der britische Kolonialismus nostalgisch verklärt wird. „Unangebracht!“, zischte der Botschafter mehrfach. Johnson schien enttäuscht: „Wirklich? Ist doch tolles Zeug.“ Doch Misses Mayhem, wie Theresa May wegen des Brexit-Chaos in ihrer Regierung spöttisch genannt wird, hat den Problemminister
bisher nicht entlassen. Sie behält den Konkurrenten lieber in ihrer Nähe. Der unangepasste Wuschelkopf hat seine Chancen, Premierminister zu werden, zwar selbst einmal als „so gut wie die, Elvis auf dem Mars zu finden“ bezeichnet. Doch wer weiß? Seit sie für den Brexit gestimmt haben, scheinen die Briten auf einem anderen Planeten zu leben. Nicht ausgeschlossen, dass BoJo dort Premier wird und Elvis dazu „Fool“ singt.

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© 2018 Tessa Szyszkowitz