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Wer denkt an McCarthy in der Nacht...

Wer denkt an McCarthy in der Nacht...

https://www.falter.at/zeitung/20250401/forscher-zwischen-flucht-und-abschiebung

Der neue Autoritarismus in den USA richtet sich nicht zuletzt gegen die Universitäten – und die versagen vorerst dabei, ihre Lehrenden und Studierenden in Schutz zu nehmen

von Tessa Szyszkowitz

FALTER 14/2025, 01.04.2025

Timothy Snyder wirft das Handtuch. Marci Shore, seine Frau, auch. Die beiden forschten und lehrten bisher an der liberalen US-Universität Yale und am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Sie verlassen ihre Heimat, die USA, und ziehen um nach Kanada an die Munk School for Global Affairs. Shore und Snyder forschen über den Totalitarismus des 20. Jahrhunderts: „Geschichte zu studieren heißt nicht, dass man weiß, was passiert“, sagt Shore, „aber was passieren könnte. Mir sind die bedrohlichen Dimensionen der Post-Wahrheit bewusst.“

Amerika, 2025. Trump ist erst seit zehn Wochen im Amt. Den Universitäten entzieht er die Finanzierung, wenn sie sich nicht nach seinen Vorgaben richten, was unterrichtet werden soll. Der US-Präsident lässt ausländische Studierende verhaften, einsperren und deportieren, wenn ihm nicht passt, was sie sagen.

Auf Gerichte, die seinen Ideen von Recht und Ordnung nicht folgen, übt er Druck aus. Eine dritte Amtszeit schließt er nicht aus, obwohl das per Verfassung verboten ist. Hunderttausende Einwanderer und Einwanderinnen ohne Papiere will er ausweisen, auch wenn die Familien integriert sind.

Kein Wunder, dass in jedem Gespräch an amerikanischen Universitäten ein Name auftaucht: Joseph McCarthy. Der republikanische Senator veranstaltete von 1950 bis 1954 eine Hetzjagd auf Kommunisten und Homosexuelle – oder wen er dafür hielt. Akademiker verloren ihre Jobs, weil sie sich McCarthys reaktionär-paranoider Sicht auf die Welt verweigerten.

Heute bestimmt Donald Trump, was strafbar ist.

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© 2018 Tessa Szyszkowitz